Lebensphänomenologie

- Michel Henry
Die Lebensphänomenologie wurde von dem international anerkannten französischen Philosophen Michel Henry) begründet.
Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie Leben erscheint. Alles, was ist, muss von uns gelebt werden, um sein zu können. Damit ist Leben in jedem Augenblick die einzige Realität und Gewissheit.
Sie ist keine Gewissheit, die theoretisch erlernt oder bewiesen werden muss, sondern eine Gewissheit, die unmittelbar gefühlt wird. Gefühl, Eindruck, Empfindung sind Namen für das unmittelbare Leben, das ich bin. Es gibt kein Gefühl, das nicht "Ich" sagen würde, denn Gefühl gibt es nur als je mein Leben. Es begründet die Würde jedes einzelnen Lebens.
In jedem Augenblick zu wissen, dass ich absolut lebendig bin, ist ein "Wissen", das sich unmittelbar selbst weiß, ohne dass nachgedacht werden müsste. Das Leben ist somit ständiges Wissen um sich selbst im praktischen Vollzug. Jeder trägt den Schatz seines Lebens in sich selbst im einmaligen Jetzt. In jedem Augenblick errichtet sich im Erleben die Welt mit all ihren Erscheinungen für uns. Erscheinen und Erleben sind somit untrennbar verbunden, weil das Leben selbst letztendlich den Grund des Erscheinens ausmacht.
Wir beleben durch unsere sinnliche Wahrnehmung die Welt von der allernächsten Umgebung bis hin zu den entferntesten Galaxien, wir verleihen so allem Gestalt und Farbe. Die jeweils sinnliche Form, die im Erleben als Eindruck und Gefühl gründet, ist das "Fleisch" der Welt, ihre innere Verlebendigung.
Jeder selbst und kein anderer ist der Maßstab dafür, was "Leben" ist. Das Leben ist nicht in der Welt, sondern die ganze Welt, einschließlich meiner selbst als sichtbarer Person, ist im Leben. Da alles im rein phänomenologischen oder subjektiven Leben ist, muss letztlich alles vom Leben her verstanden werden; von ihm aus gelebt werden.
Wenn man sich fragt, was uns im Leben trägt, dann ist es die Urerfahrung des Getragenseins selber - jene Energie oder Kraft, durch die alles ist, auch wenn dieses "Durch" niemals in einer Idee eingefangen werden kann. In bezug auf die Existenzanalyse können so die Voraussetzungen und Implikationen die phänomenologischen Grundgegebenheiten angemessen erkannt werden.
Hinweis: Näheres zur Existenzanalyse und Lebensphänomenologie (Klick auf die Links).